Sehr geehrte Mitglieder des Kreistages Minden-Lübbecke,

sehr geehrter Herr Landrat Dr. Niermann,

sehr geehrte Dezernentin und Dezernenten der Kreisverwaltung Minden-Lübbecke,

sehr geehrte Kandidatin und Kandidaten für das Landratsamt im Kreis Minden-Lübbecke,

sehr geehrte Vorstände der politischen Parteien im und für den Kreis Minden-Lübbecke,

die Sportgemeinschaft im Kreis Minden-Lübbecke – insbesondere die Nutzerinnen und Nutzer der Kreisschwimmhalle – fordern Sie hiermit auf, die am 16. Dezember 2019 im Kreistag getroffene Entscheidung zum Abriss der Kreisschwimmhalle separat neu zu diskutieren und eine revidierende Entscheidung zugunsten eines uneingeschränkten Weiterbetriebes der Kreisschwimmhalle am Bayernring in Minden zu treffen.

Die Sportgemeinschaft im Kreis Minden-Lübbecke begrüßt Ihren Beschluss, den möglichen Neubau einer Multifunktionsarena in Minden mit Kreismitteln in Höhe von 14,5 Mio. Euro zu unterstützen, ausdrücklich. Der Handballbundesligist GWD Minden benötigt auch aus unserer Sicht eine adäquate, moderne Heimspielstätte – genauso wie die Kultur und die Wirtschaft eine entsprechende Veranstaltungshalle. Bei den GWD-Heimspielen treffen unsere Kinder und Jugendlichen auf sportliche Vorbilder, denen sie nacheifern wollen. Leistungssport auf diesem Niveau und „hautnah zum Anfassen“ war und wird immer ein wichtiger Faktor sein, um mehr Kinder und Jugendliche für Bewegung, Spiel und Sport zu begeistern.

Aber…

…es ist völlig inakzeptabel, dass dieser Beschluss zu Lasten des allgemeinen Sports getroffen wurde und u.a. auf Basis des Abrisses einer absolut intakten Kreisschwimmhalle mit dem Hauptargument der Einsparung von Betriebskosten zugunsten der Multifunktionshalle zustande kam!

Die Kreisschwimmhalle ist einzigartig, denn sie erfüllt als einzige Schwimmhalle für die Kommunen Minden, Petershagen, Hille, Porta Westfalica und (nach der Schließung des Hallenbades B.O.-Rehme) auch für Bad Oeynhausen die wesentlichen, gebotenen Voraussetzungen für das Schwimmenlernen mit Kindergruppen:

  • Hubboden für unterschiedlich einstellbare Wassertiefen,
  • ausreichend lange Wärmebank,
  • durch eine Person zu überschauende Wasserfläche,
  • Unterwasserbeleuchtung bis zum Beckenboden,
  • lern- und ausbildungsgerechtes Raumklima,
  • lern- und ausbildungsgerechte Wassertemperatur,
  • Sammelvorraum für Gruppen.

Die Kreisschwimmhalle ist eine BILDUNGS-stätte (nicht nur für den Schulsport),

  • in der unzählige Kinder außerschulisch schwimmen lernen,
  • in der Erzieher/innen, Übungsleiter/innen, Freiwilligendienstleistende (FSJ) im Sport, Jugendgruppen-leiter/innen ihre Ausbildungen zur kindgerechten Anleitung von Wassergewöhnung, Wasserbewältigung und Anfängerschwimmen absolvieren,
  • Lehrer/innen, Erzieher/innen, Übungsleiter/innen, FSJler im Sport, Jugendgruppenleiter/innen für Ferienfreizeiten ihren notwendigen DLRG-Schein (Rettungsfähigkeit) erwerben.

Die Kreisschwimmhalle erfüllt damit für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in unvergleichlichem Maße das individuelle Bedürfnis nach Bildung, zu dem unsere aufgeklärte, moderne Bildungsgesellschaft einen jeden Menschen aufruft („lebenslanges Lernen“!) und qualifiziert und befähigt Menschen als Multiplikatoren ehrenamtlich und beruflich für ihre Mitmenschen tätig zu sein und zu werden.

Die Kreisschwimmhalle ist eine GESUNDHEITS-stätte,

  • in der vor allem (aber nicht nur) ältere Menschen ihrem individuellen Bedürfnis nach Gesunderhaltung in einer ihnen gerechten Umgebung nachkommen,
  • in der vorerkrankte Menschen durch zahlreiche Rehabilitations-Sport-Angebote Lebensqualität zurückgewinnen,
  • in der aktuell über zehn unterschiedliche Organisationen stets ausgebuchte, präventive Schwimm-, Wassergymnastik- und Aqua-Fitness-Angebote bereithalten, die nicht nur die individuelle Gesundheit, sondern auch Begegnung und soziales Miteinander fördern.

Die Kreisschwimmhalle ist damit für zahlreiche (vor allem ältere) Bürgerinnen und Bürger eine bedeutsame infrastrukturelle Einrichtung der Daseinsvorsorge, zu der es aufgrund der oben benannten, einzigartigen Rahmenbedingungen derzeit keine Alternativen gibt!

Die Kreisschwimmhalle ist eine JUGEND-, FAMILIEN- und SPORTFÖRDER-stätte,

  • in der Kinder und Jugendliche ihrem individuellen Bedürfnis nach Leistung und dem Vergleich gerade im sportlichen Wettkampf nachkommen. Die überaus erfolgreiche Schwimmabteilung des SV 1860 Minden und die DLRG-Jugendarbeit sind hierfür die besten Beispiele.
  • in der Eltern und Kinder nach Auslauf der Schwimmkurse unter optimalen Rahmenbedingungen wiederholt ihre Freizeit aktiv und gemeinsam gestalten,
  • die von organisierten, auch außersportlichen Kindergruppen aufgrund der optimalen Rahmenbedingungen zur gemeinsamen Freizeitgestaltung genutzt wird,
  • in der nahezu ausschließlich die Abnahme des Schwimmnachweises für das Deutsche Sportabzeichen durchgeführt wird, welches jährlich auch von den Bediensteten der Polizei (einschließlich Polizeibewerbern), der Feuerwehren und der Bundeswehr sowie insbesondere von Menschen mit einer geistigen Behinderung (durch die Lebenshilfe Minden) erworben wird.

Die Kreisschwimmhalle hat eine belegbare kreisweite Bedeutung,

  • aufgrund der Nutzung durch die Verbundschule Hille, die Grundschule Hille und die Förderschule Hille-Mindenerwald,
  • aufgrund der Teilnahme von Eltern und Kindern aus den Kommunen Minden, Hille, Petershagen und sogar Lübbecke an den hier angebotenen Schwimmkursen,
  • aufgrund der Mitgliedschaft von Bürgerinnen und Bürgern aus den Kommunen Hille und Petershagen in der DLRG Ortsgruppe Minden, da in diesen beiden Kommunen keine eigenständigen Ortsgruppen existieren.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die von Ihnen – aus unserer Wahrnehmung mit einem „Federstrich“ – getroffene Entscheidung zum Abriss der völlig intakten Kreisschwimmhalle werten wir als eine hochgradige Missachtung unseres jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagements und als Demotivation, unsere  gemeinnützigen Tätigkeiten für die Bürgerinnen und Bürger fortzuführen.

Wir fordern Sie daher mit Nachdruck auf,

  1. zu erkennen, welch eine herausragende Bedeutung die Kreisschwimmhalle und der Kampa-Hallen-Komplex insgesamt hat bzw. hatte als
  • Kinder- und Jugendförderstätte,
  • Zentrum des Leistungssports im Mühlenkreis,
  • Bildungs- und Tagungszentrum des Sports für den gesamten Kreis,
  • breitensportliches Gesundheitszentrum,

und dies in Ihren politischen Debatten und Entscheidungen maßgeblich zu berücksichtigen.

  1. sich nicht hinter eine vermeintliche, in ferner Zukunft liegende, Erweiterung am Melittabad zurückzuziehen und damit ausschließlich die Bürgergesellschaft der Stadt Minden für den Wegfall einer kreisweit bedeutsamen und einzigartigen Kreisschwimmhalle in die Pflicht zu nehmen.
  1. mit dem Erhalt der Kreisschwimmhalle an den aktuellen Koalitionsvertrag der Landesregierung NRW anzuschließen, in dem es heißt:
  • „Unser Ziel ist eine landesweite seniorengerechte Infrastruktur, innerhalb der die Menschen ausreichende Versorgungsangebote vorfinden…“ [Seite 98],
  • „Am Ende der Grundschulzeit muss jedes Kind sicher schwimmen können“ [Seite 100].
  1. mit dem Abriss der Kampa-Halle für die Planung und den Bau eines gleichwertigen, modernen Sportzentrums einzutreten, welches alle genannten sportlichen, jugend-, bildungs- und gesundheitsfördernden Aspekte wiederherstellt und dabei die Kreisschwimmhalle als integralen Bestandteil erhält.
  1. im kommenden Wahlprogramm Ihrer Partei den Wählerinnen und Wählern Ihre Stellung zur Kreisschwimmhalle, zur Ausgestaltung eines neuen Sportzentrums sowie zu einer zukünftigen Sportentwicklung für den Kreis transparent und nachvollziehbar darzulegen.

 

Unterzeichnet von:

Prof. Dr. Jens Große | Präsident Kreissportbund Minden-Lübbecke e.V. (473 Sportvereine; 115.104 Mitglieder)

Philipp Koehler | Vorsitzender der Sportjugend in KSB Minden-Lübbecke (343 Sportvereine mit Jugendabt.; 27.320 Mitglieder unter 18 Jahren)

Sigrid Rohlfing-Sundermeyer | Außenstellenleiterin Sportbildungswerk im KSB Minden-Lübbecke

Guido Höltke | Stellv. Vorsitzender Stadtsportverband Minden e.V. (117 Sportvereine; 24.896 Mitglieder)

Frank Rehorst | Vorsitzender Betriebssportkreisverband Minden-Lübbecke e.V. (28 Betriebssportgemeinschaften; 3.024 Mitglieder)

Kathrin Kosiek | Vorsitzende Ring der Wassersportvereine um die Porta Westfalica e.V. (18 Vereine)

Peter Adam | Vorsitzender DLRG Ortsgruppe Minden e.V. (524 Mitglieder)

Steffen Kampeter | Vorsitzender SV 1860 Minden e.V. (2.175 Mitglieder)

Beate Röttger | Vorsitzende Kneipp-Verein Minden e.V. (2.193 Mitglieder)

Stephan Kurze | Vorsitzender DJK Dom Minden e.V. (1.600 Mitglieder)

Achim Riemekasten | Vorsitzender Kanusportgemeinschaft der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule Minden e.V. (506 Mitglieder)

Nico Haas | Vorsitzender Porta-Tauch-Club 1985 e.V. (99 Mitglieder)

H.-Dieter Meier | Vorsitzender Behindertensportgemeinschaft Minden e.V. (62 Mitglieder)

 

Wir sind von den Vertreterinnen und Vertretern der individuellen, nicht vereinsgebundenen Nutzerinnen und Nutzern der Kreisschwimmhalle ausdrücklich bei unserem ersten Treffen am Mittwoch, dem 29. Januar 2020 im Boots- und Ausbildungshaus der DLRG Minden e.V. autorisiert worden, den offenen Brief auch in ihrem Namen und Interesse zu veröffentlichen.

Vereinsanzahl und Mitgliederzahlen entsprechen den Statistikdaten für das Jahr 2019.